FOMO, die Angst, etwas zu verpassen. Darüber möchte ich heute mir dir sprechen, weil das sicher viele auch kennen.

Die ganze Folge kannst du im Podcast hören:

 

Möglicherweise kennst du FOMO nur im Zusammenhang mit Social Media, aber im Alltag kann sich diese Angst genauso verstecken. 

  • Beim Elternabend, zu dem du unbedingt musst, um keine wichtige Info zu verpassen. 
  • Die Familienfeier oder der Geburtstag einer Freundin, bei der der neueste Tratsch durchgenommen wird.
  • Bei mir geht es sogar so weit, dass ich nachts mit Ohrstöpseln Panik bekomme, weil ich nicht alles “mitbekomme”.

In unserer heutigen Gesellschaft, in der ständig neue Informationen und Möglichkeiten auf uns einprasseln, ist es kein Wunder, dass FOMO ein weit verbreitetes Phänomen ist. 

Aber was genau ist FOMO, welche Gefahren birgt es und was können wir dagegen tun? Und was hat es mit JOMO auf sich?

Was ist FOMO?

FOMO steht für „Fear of Missing Out“ und beschreibt das Gefühl, dass man etwas verpasst, wenn man nicht an einer bestimmten Aktivität oder Veranstaltung teilnimmt oder wenn man nicht auf dem neuesten Stand der Dinge ist. 

Diese Angst kann verschiedene Formen annehmen, wie zum Beispiel die Angst, nicht in den sozialen Medien präsent zu sein und so “vergessen” zu werden. Besonders bei Solopreneuren ist das sehr verbreitet – kein Social Media = keine Kunden. Was natürlich quatsch ist, denn man kann auf viele Weisen sichtbar sein. Aber Ängste lassen sich nun einmal nur schwer rational weg reden.

Manche Menschen haben Sorge, nicht über die neuesten Trends und Entwicklungen informiert zu sein. Das kann sich auf das alltägliche Weltgeschehen wie auf die Infos bei einem Elternabend beziehen. Nicht informiert zu sein oder nicht mitreden zu können, kann sich wie eine Art von Kontrollverlust anfühlen. Gerade Perfektionisten und Menschen, die umfassende Information mit einem Sicherheitsgefühl gleichsetzen, kennen das (ja, man nennt sie wohl Kontrollfreaks, ich gehöre auch dazu).

Wiederum andere haben Sorgen, vom Umfeld ausgegrenzt und nicht gemocht zu werden, wenn sie mal Nein sagen, “aussetzen” und nicht immer dabei sind.

Eine wichtige Sache, die mit FOMO in Verbindung gebracht wird, ist das Belohnungssystem im Gehirn. Jede Info, die wir bekommen, jede Benachrichtigung über eine neue Nachricht oder ein neues Like, jedes Event, bei dem wir dabei sind, jedes “Toll, dass du da bist” – alles löst im Gehirn ein buntes Mini-Feuerwerk aus und der Botenstoff Dopamin wird ausgeschüttet. Dieser gibt uns dieses gute Gefühl “informiert, up-to-date und in einer Gemeinschaft” zu sein und motiviert uns, auch in Zukunft ja nichts zu verpassen.

Du ahnst es, dadurch kann eine Art Suchtverhalten entstehen. Und Dopamin ist Schuld. Aber auch Oxytocin spielt eine Rolle, besonders wenn es um Anerkennung und Zugehörigkeit geht. Wie du dir Dopamin zunutze machen kannst, liest du weiter unten.

Gefahren von FOMO

Die beiden größten Gefahren sind Stress und Konzentrationsstörung.

STRESS

FOMO und der damit verbundene Druck, ständig online, immer dabei und informiert zu sein, kann dazu führen, dass du dich schlichtweg überfordert fühlst. Es tauchen einfach zu viele Informationen, Reaktionen, Emotionen und Gedanken auf. Außerdem frisst diese ständige Präsenz und Aufmerksamkeit unglaublich viel Zeit, die dir an anderer Stelle fehlt. 

So entsteht Stress. 

Auch sozialer Vergleichsstress wird oft mit FOMO und Sozialen Medien in Verbindung gebracht. Er entsteht immer dann, wenn du denkst, mit anderen nicht mithalten zu können. Andere haben scheinbar unendliche Power, machen jeden Trend mit, können scheinbar alles irgendwie mühelos und sehen dabei noch grandios aus! Wenn bei dir Dinge schief gehen oder du ausgelaugt bist, fühlst du dich schlechter als die anderen.  

Konzentrationsstörungen

Weil du permanent “auf Sendung” bist, können sich Konzentrationsstörungen entwickeln, weil du zwar “überall”, aber nicht bei EINER Sache bist. Zu viele Infos via Email, Messenger, auf Zuruf, per Telefon lenken dich ab. Je mehr du dich der Vielzahl an Ablenkungen auf den vielfältigen Kanälen hingibst, um alles zu checken und überall auf dem Laufenden zu sein, desto mehr verlernst du Konzentration.

Was kannst du gegen FOMO tun?

Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die du ergreifen kannst, um FOMO zu reduzieren. Hier sind fünf Tipps:

Nr. 1: Übe, auszuhalten: Ängste kann man überwinden, wenn man lernt, dass die Welt in bestimmten Situationen nicht untergeht. Es wird also nicht passieren, wenn du nicht sofort auf einen Kommentar antwortest, nicht überall vor Ort dabei bist oder einen Trend nicht schon in den ersten Tagen auf der Reihe hast. Selbst, wenn dir eine wichtige Info vielleicht durchrutscht und deswegen irgendetwas blöd ist, die Welt dreht sich weiter. Es passiert nichts Dramatisches. Übe in Etappen, indem du die Zeit einschränkst. Du kannst in der Mitte eines Meetings gehen und nicht alles mitbekommen, du kannst nur jeden 2. Tag Nachrichten schauen oder nur 15 Minuten pro Tag deine Nachrichten checken.

Nr. 2: Offline-Zeiten im Fokus: Es ist wichtig, sich Zeit für Offline-Aktivitäten zu nehmen. Man sollte sich bewusst Zeitfenster schaffen, in denen man nicht online ist und sich auf andere Dinge konzentriert, wie zum Beispiel Sport oder Hobbys. Auch wenn FOMO kein  reines online Problem ist, hier spielen sich eben doch viel mehr Infos und Ablenkungen ab als im realen Leben.

Digital Detox über Tage oder Wochen hinweg, das gerne empfohlen wird, finde ich extrem schwierig. Dafür ist unser Leben einfach schon zu digital (digitaler Kalender, Kommunikation zwischen Familienmitgliedern oder durchaus auch angenehme Aspekte wie Hörbücher oder Podcast) und hätte zu einschneidende Auswirkungen auf unseren Alltag. Also lieber kurz, dafür bewusst ohne.

Nr. 3: Achtsamkeit üben: Achtsamkeit ist eine Technik, die dabei helfen kann, im Moment zu bleiben und sich auf die gegenwärtige Situation zu konzentrieren. FOMO-Momente liegen nämlich oft in der Vergangenheit (was habe ich verpasst?) oder der Zukunft (wie wirkt sich das aus, wenn ich etwas nicht mitbekomme?). Wenn du im Hier und Jetzt lebst, nimmst du FOMO ein Teil Wind aus den Segeln. Die Frage lautet also: Was ist jetzt gerade wichtig für mich (maximal die nächsten 1-2 Stunden und nicht Termine, die erst in 3 Monaten stattfinden). 

Achtsamkeitsübungen verändern außerdem die Strukturen im Gehirn. Wenn du achtsam bist, schrumpft dein Angstzentrum (Amygdala) und der Hippocampus wächst, der für dein Gedächtnis zuständig ist.

Nr. 4: Verständnis für die eigenen Bedürfnisse und Prioritäten entwickeln. 

NICHT. ALLES. IST. WICHTIG.

FOMO entsteht, weil du Dinge überwichtig nimmst und andere dagegen nicht wichtig genug. Frage dich: Wie groß ist der Einfluss eines Events / einer Information / eines Trends wirklich auf dein aktuelles Leben? Was hat Bedeutung? Und was sind nur “nice-to-have” Dinge und Infos.

Zusammengefasst lautet meine Empfehlung:

Schritt : Übe Situationen, in denen du dich und die vorhandenen Infos beobachtest. Frage dich: Welche Info war wirklich extrem wichtig, hättest du diese auch auf anderem Weg bekommen können, hättest du deine Zeit lieber anders verbracht, wie hast du dich dabei gefühlt, wie hätten andere langfristig reagiert, wenn du nicht aufgetaucht wärst. In den meisten Fällen wäre deine “Anwesenheit” (online oder offline) NICHT nötig gewesen. Und das weißt du auch.

Schritt 2: Wenn du das nächste mal vor der Entscheidung stehst, zu einem Event zu gehen, die Nachrichten zu checken oder den Feed durchzuscrollen, hol deine Erinnerung aus Schritt 2 vor. Mach dir bewusst, dass du beim letzten mal nicht viel verpasst hast und dass auch dieses Mal nichts Wichtiges auf dich wartet.

Schritt 3: Mach dich mit JOMO vertraut: 

WAS IST JOMO

JOMO steht für „Joy Of Missing Out“ und ist das Gegenteil von FOMO. Es beschreibt das Gefühl der Freude und des Glücks, wenn man bewusst auf bestimmte Dinge verzichtet oder einfach mal etwas alleine unternimmt, statt immer der Menge hinterherzulaufen. JOMO kann also ein sehr befreiendes und entspannendes Gefühl sein, wenn man sich erlaubt, etwas zu verpassen und sich stattdessen auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu konzentrieren.

Ich übe JOMO vor allem im Zusammenhang mit der Selbstverantwortung anderer. Gerade wenn andere mir ihre Informationen, Aufgaben und Verantwortungen übertragen wollen, ist es mir ein inzwischen immer öfter Vergnügen zu sagen: “Interessiert mich nicht, mach ich nicht, ist nicht mein Ding.” 

Ich kann eben nicht alles wissen, organisieren und machen. Das kommt vor allem von dem Gefühl der Überforderung, welches größer ist als das Gefühl von “Ich weiß alles, also habe ich die Kontrolle. Ergo tut mir JOMO deutlich besser als FOMO. 

Jedes Mal, wenn ich Nein sage, etwas nicht mache, irgendwo nicht hingehe, spüre ich ein Stück Erleichterung. Was wiederum die Belohnung ist, von der ich schon oben gesprochen habe. Und schon spielt dir das Dopamin in die Hände!

Und so entsteht eine positive Gewohnheit, mit der du die schlechte (überall dabei sein zu müssen) überspeicherst: 

  1. Der Reiz – SoMe, die Einladung o.ä. 
  2. die Reaktion – etwas NICHT machen
  3. die Belohnung = Erleichterung

Probiere es mal aus – du verpasst dabei ganz bestimmt nichts Wichtiges!

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Bianca Katzer - am MacBook

Weil du kannst!

Für mich gibt es keine genialere Vorstellung als den Gedanken: "Du kannst alles schaffen, was du dir vornimmst." Im Magazin bekommst du den manchmal nötigen Perspektivenwechsel, alltagstaugliche Tipps und nützliche Tools, um das zu erreichen, was dir wichtig ist! 

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